Unser Atem begleitet uns ein Leben lang und hat einen direkten Einfluss auf Körper und Psyche. Durch einfache, bewusst eingesetzte Atemtechniken lässt sich das Nervensystem beruhigen, Stress reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden fördern. In meinen Kursen lernst du alltagstaugliche Übungen genauer kennen, die dabei helfen können, in belastenden Situationen ruhiger zu bleiben und neue Energie zu schöpfen.
Der Atem ist eine der wenigen Körperfunktionen, die sowohl automatisch als auch bewusst gesteuert werden können. Das macht ihn zu einem sehr wirkungsvollen Werkzeug für die Entspannung. Durch ruhiges und bewusstes Atmen wird das parasympathische Nervensystem – der Teil unseres Nervensystems, der für Erholung und Regeneration zuständig ist – aktiviert. Herzschlag und natürliche Atemfrequenz verlangsamen sich, die Muskulatur entspannt sich und der Körper kann aus dem „Stressmodus“ herausfinden.
Dies funktioniert – wie bei anderen Entspannungstechniken – dadurch, dass unser Körper nur begrenzt unterscheiden kann, warum etwas gemacht wird. Wenn wir ruhig und langsam atmen, denkt unser Körper: „Hey, wir atmen doch sonst nur ruhig, wenn wir entspannt sind – also sind wir wohl entspannt.“ Entspannungstechniken funktionieren oft, indem wir unseren eigenen Körper gewissermaßen hacken oder austricksen. Obwohl wir uns gerade nicht entspannt fühlen, signalisieren wir unserem Körper durch eine Technik, dass wir ruhig und entspannt sind. Unser Körper nimmt dieses Signal auf – und dadurch fühlen wir uns dann tatsächlich entspannter. Atemtechniken sind dabei leicht zu erlernen, jederzeit anwendbar und benötigen keine Hilfsmittel. Sie können dabei helfen, akuten Stress zu reduzieren, innere Unruhe zu lindern, die Konzentration zu fördern und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Deshalb sind sie eine wertvolle Unterstützung – sowohl im Alltag als auch in herausfordernden Situationen.
Um Atemtechniken zu erlernen, muss man nicht zwingend einen Kurs besuchen. Es gibt ein paar Dinge zu beachten – eine Übersicht dazu habe ich weiter unten zusammengestellt, ebenso wie einige meiner Lieblingsatemübungen zum direkten Ausprobieren. Ich bin nicht der Typ, der Informationen für sich behalten möchte, auch wenn mir aus finanziellen Gründen dazu geraten wird. Das geht einfach gegen mein Menschenverständnis und ist sowieso nur ein Problem weil ich aus kapitalistischen Zwängen auch meine Miete und Essen zahlen muss. Warum also einen Kurs bei mir besuchen, wenn hier bereits alles Wichtige steht? Muss man eben nicht. Probiere dich aus! Wenn dir die hier zusammengestellten Informationen helfen, freue ich mich sehr. Ich habe für mich jedoch oft festgestellt, dass sich Veränderungen in einem „verbindlichen“ Rahmen leichter umsetzen lassen. Wenn ich mich mit anderen Menschen vernetze, eine Leitung habe, die mir Dinge erklären kann, und regelmäßig einen festen Termin wahrnehme – zum Beispiel durch einen wöchentlichen Kurs, fällt es mir leichter, dranzubleiben. Außerdem ist es einfach ein schönes Gefühl, sich gemeinsam Zeit für etwas Guttuendes in ruhiger Atmosphäre zu nehmen.
Grundlegend solltest du körperlich in der Verfassung sein, deinen Atem gezielt einzusetzen. Das bedeutet: keine akute Atemwegsentzündung, keine chronischen Atemwegserkrankungen und keine kürzlich durchgeführten Operationen. Deine Lunge und Atemwege sollten grundsätzlich gesund sein. Atemübungen im Rahmen einer Therapie von Atemwegserkrankungen sollten immer in Absprache mit einer Ärztin erfolgen und idealerweise unter therapeutischer Anleitung stattfinden. Generell gilt: Wenn du dir nicht sicher bist, ob eine gesundheitliche Beeinträchtigung dich für Atemtraining disqualifiziert, sprich es mit deiner Ärztin ab. Better safe than sorry.
Die Position, in der du die Atemtechnik ausführst, sollte zum Erlernen genügend Raum für die Ausbreitung deiner Lunge bieten, also einen aufgerichteten, geraden Oberkörper. Ich empfehle das gezielte Atmen im aufrechten Sitz, beispielsweise im Schneidersitz oder einer ähnlichen Position, im aufrechten Stand oder im geraden Liegen – diese Ausgangspositionen sind zu Beginn für einen gesunden Menschen gut geeignet.
Zu den Übungen selbst ist erst einmal gut zu wissen, dass du immer auf deinen eigenen Rhythmus achten solltest. Zwinge dich nicht zu sehr in das Atemschema, das du erlernen willst. Das kommt mit der Zeit von ganz allein. Zu Beginn ist es erst mal wichtig, seinen Atem wahrzunehmen und zu beobachten, wie man gerade atmet. Das Zählen bei Atemübungen, wie in der 4-6-8-Übung, ist ein Richtwert und sollte eher als ein Rhythmus verstanden werden. Die Sekunden sind eher eine Verhältnisangabe. Übersetzt heißt das: Du musst nicht 4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden anhalten und 8 Sekunden ausatmen, wenn sich das für dich nicht richtig anfühlt, sondern es geht eher darum, doppelt so lange auszuatmen wie einzuatmen und den Atem „etwas kürzer“ anzuhalten, als auszuatmen. Probiere die Übungen einfach aus und konzentriere dich auf deinen Atem. Wenn dein Körper dir nach 6 Sekunden statt 8 Sekunden Ausatmen sagt, er kann nicht mehr, dann nimm das wahr. Du wirst nach einer Weile feststellen, dass es sich einfacher anfühlt, länger auszuatmen, so mehr du übst. Es geht, wie gesagt, nicht um die genauen Sekundenzahlen, sondern um einen Rhythmus und ein Verhältnis zwischen Ein- und Ausatmen.
Außerdem solltest du deinem eigenen Atemdrang nachgeben. Wenn du innerhalb einer Übung einen starken Drang verspürst, tief ein- oder auszuatmen, geh diesem nach. Mit mehr Übung kommt auch eine größere Atembeständigkeit. Mach dich nicht fertig, wenn du eine Übung nicht ganz durchziehen kannst. Jeder gezielte Atemzug ist ein Erfolg. Perfektion ist schon immer ein Feind der Entspannung gewesen. Konzentriere dich auf deine Atmung und lass zu, was sich richtig anfühlt. Atemtraining ist auch Achtsamkeitstraining.*
Zusammenfassung:
♥ Gesunde Atemwege (kläre ärztlich ab, ob du Atemtraining nutzen kannst)
♥ Aufrechte Ausgangsposition, z. B. gerade liegend, aufrecht stehend oder sitzend
♥ Sekundenzählen ist eine Verhältnisangabe
♥ Lass deinen eigenen Rhythmus zu
♥ Konzentriere dich auf deine Atmung
♥ Fortschritt kommt mit Übung
*Achtsamkeit ist ein Zustand, bei dem wir uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren und Vergangenheit und Zukunft in den Hintergrund treten. In diesem Zustand bewerten wir die Situation nicht, sondern beobachten sie nur. Achtsamkeit wird auch in meinen anderen Kursen behandelt.
Setze dich bequem und aufrecht hin und entspanne Schultern und Gesicht.
Atme 4 Sekunden lang durch die Nase ein.
Halte den Atem 6 Sekunden.
Atme langsam 8 Sekunden aus.
Wiederhole den Ablauf etwa 5–10 Mal oder bis du dich besser fühlst.
Durch die verlängerte Ausatmung wird der Körper stärker in Richtung Entspannung gelenkt. Das bewusste Halten des Atems verlangsamt den Atemrhythmus und erhöht die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper. Wenn wir entspannt sind atmen wir langsam, durch das gezielte Halten und Ausatmen signalisieren wir unserem Körper, dass wir ruhig sind und dadurch fühlen wir uns schlussendlich auch selbst ruhig und entspannt.
verbessert die Wahrnehmung des eigenen Körpers
kann das Stressniveau senken und bei Nervosität helfen
unterstützt die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems („Ruhemodus“)
fördert eine langsamere, kontrollierte Atmung
Lege eine Hand optional auf den Bauch und eine auf die Brust um deine Atmung besser zu spüren.
Atme langsam durch die Nase ein.
Schicke deinen Atem gezielt in den Bauchraum. Deine Brust sollte sich nur kaum heben.
Atme entspannt wieder aus.
Wiederhole dies 5-10 mal oder bis du dich besser fühlst.
Bei dieser Atmung arbeitet besonders das Zwerchfell. Es unterstützt die Atmung und entlastet dadurch das Herz. Ein trainiertes Zwerchfell kann präventiv gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirken, da es das Herz-Kreislauf-System beim Atmen unterstützt. Außerdem atmen wir nur bei Entspannung in den Bauch. Wenn wir gestresst sind, atmen wir eher in den Brustkorb. Die gezielte Bauchatmung „trickst“ unser System also aus und gibt unserem Nervensystem Signale, dass wir ruhig und entspannt sind.
verbessert die Wahrnehmung des eigenen Körpers
kann das Stressniveau senken und bei Nervosität helfen
unterstützt die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems („Ruhemodus“)
fördert eine langsamere, kontrollierte Atmung
entlastet das Herz bei der Atmung
Halte eine Hand geöffnet vor dich.
Fahre mit dem Zeigefinger der anderen Hand langsam außen an den Fingern entlang.
Beim Hochfahren eines Fingers: einatmen.
Beim Herunterfahren: ausatmen.
Wiederhole dies für alle fünf Finger.
Die Übung verbindet Atmung mit einer langsamen Bewegung. Dadurch wird die Aufmerksamkeit von Stress und Panik weg auf eine Aufgabe gelenkt. Die Üung eignet sich besonders gut bei akutem Stress oder Panikattacken.
hilft bei akuten Angstzuständen
kann das Stressniveau senken und bei Nervosität helfen
fördert eine langsamere, kontrollierte Atmung
hilft sich zu regulieren
Atme langsam durch die Nase ein.
Forme die Lippen, als würdest du eine Kerze vorsichtig ausblasen.
Atme langsam durch die leicht geschlossenen Lippen aus.
Die Ausatmung sollte etwa doppelt so lange dauern wie die Einatmung.
Die Lippenbremse erzeugt einen leichten Widerstand beim Ausatmen. Dadurch bleiben die Atemwege länger geöffnet und die Luft kann kontrollierter entweichen. Diese Übung kann auch mit verschiedenen Zählübungen kombiniert werden.
erleichtert das Ausatmen
kann Atemnot reduzieren
verbessert die Wahrnehmung des eigenen Körpers
kann das Stressniveau senken und bei Nervosität helfen
unterstützt die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems („Ruhemodus“)
fördert eine langsamere, kontrollierte Atmung
Atme 4 Sekunden durch die Nase ein.
Atme anschließend 8 Sekunden langsam aus.
Wiederhole die Übung 5–10 Minuten oder bis du dich besser fühlst.
Die Ausatmung ist doppelt so lang wie die Einatmung. Dadurch bekommt der Körper ein Signal für Verlangsamung und Entspannung. Generell kann diese Übung als allgemeiner Richtwert genommen werden. Bei beruhigenden Atemübungen sollte die Ausatmung mind. doppelt so lang sein wie die Einatmung.
verbessert die Wahrnehmung des eigenen Körpers
kann das Stressniveau senken und bei Nervosität helfen
unterstützt die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems („Ruhemodus“)
fördert eine langsamere, kontrollierte Atmung
Atme 4 Sekunden ein.
Halte den Atem 7 Sekunden.
Atme langsam 11 Sekunden aus.
Wiederhole die Übung 5-10 mal oder bis du dich besser fühlst.
Diese Atemtechnik kombiniert ebenfalls eine längere Ausatmung mit einer bewussten Atempause. Sie verlängert so den Atemzyklus und reduziert häufig automatisch die Atemgeschwindigkeit- sie ist eine Steigerung der 4-6-8 Atmung.
verbessert die Wahrnehmung des eigenen Körpers
kann das Stressniveau senken und bei Nervosität helfen
unterstützt die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems („Ruhemodus“)
fördert eine langsamere, kontrollierte Atmung
(Hinweis: Bei Schwindel oder Unwohlsein sollte die Atemhaltephase verkürzt werden.)
Lege eine Hand auf den Bauch.
Atme zuerst in den Bauch → der Bauch hebt sich.
Lass den Atem weiter in die Brust steigen.
Zum Schluss fülle den oberen Brustbereich unterhalb des Brustbeins (Sternum).
Atme anschließend langsam wieder aus.
Diese Übung nutzt verschiedene Bereiche der Atembewegung und verbessert die Wahrnehmung des gesamten Atemraums. Sie wirkt meditativ und stärkt die Wahrnehmung des Körpers. Kombiniere sie gerne mit Zähltechniken.
verbessert die Wahrnehmung des eigenen Körpers
kann das Stressniveau senken und bei Nervosität helfen
fördert eine langsamere, kontrollierte Atmung
wirkt meditativ
Atme langsam durch die Nase ein.
Atme bewusst durch den Mund aus.
Versuche, die Ausatmung länger zu machen als die Einatmung.
Wiederhole 5-10 mal oder bis du dich besser fühlst.
Die Kombination nutzt die Vorteile der Nasenatmung (Filterung, Erwärmung und Befeuchtung der Luft) und einer kontrollierten Mundausatmung. Sie schult die Atemwahrnehmung und kann mit Zähltechniken kombiniert werden.
verbessert die Wahrnehmung des eigenen Körpers
kann das Stressniveau senken und bei Nervosität helfen
unterstützt die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems („Ruhemodus“)
fördert eine langsamere, kontrollierte Atmung
Mit deinem Atem trägst du eines der wirksamsten Entspannungswerkzeuge täglich und immer bei dir. Schon wenige bewusste Atemtechniken können Stress reduzieren, neue Energie schenken und dir helfen, ruhig und klar zu werden. Nimm dir Zeit für deinen Atem!
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